Montag, 3. März 2014

vorfrühling

Vorfrühling


 
                Noch sind die Bäume kahl.
                Noch weht es kalt manchmal.
                Der Himmel strahlt in Sommerbläue,
                auf dass die Sonne sich nicht scheue
                zu baden in dem Himmelsmeer.

                An Winter aber
                denkt keiner mehr.



(1977)

Mittwoch, 5. Februar 2014

sekundenfest





die straßen tanzen nackt  und blau
die stunde schmeckt belebend heiß wie tee
die lampen schimmern sonnig wie ein herbstwald
und die gedanken liegen frisch wie morgenschnee
mit bloßen händen säubern wir die sinne
die stumpf wie fenster warn vom sauren regen
wir treiben unaufhaltsam durch den ozean der zeit
und ahnen es der sturm wird sich nicht legen
nicht legen

aus dem radio stürzt das schweigen
im kopf dröhnt kosmisch heißer jazz
wir weben aus dem straßenstaub was warmes
und feiern das sekundenfest
die dame die erinnerung für pflicht hält
wird traurig und erstarrt zu salz
wir lachen und wir tanzen um die säule
und endlich klopft das herz uns bis zum hals
bis zum hals

                     auf dem tisch liegt eine rechnung
                     wir zerreißen sie und leben unsre lust
                     wir pfeifen auf die diktatur der mehrheit
                     die hoffnung als prinzip ist ein verlust
                     wie lange solln wir uns vertrösten
                     auf paradiese die dann irgendwann
                     mal kommen sollen während leise
                     und ungenutzt die beste zeit verrann
                     verrann

                     nein nein die straßen tanzen nackt und blau
                     die stunde schmeckt belebend heiß wie tee
                     die lampen schimmern sonnig wie ein herbstwald
                     und die gedanken liegen frisch wie morgenschnee


 (Leipzig 1986)

  
  
  zitiert aus: "sekundenbuch" (Leipzig 2012)


Montag, 25. November 2013

DAS SOGENANNTE DRAUSSEN ...

Theatertipp: Sibylle Bergs femineurotischer Zeitgeistmonolog "es sagt mir nichts, das sogenannte draussen" in genial reduzierter Regie von Sebastian Nübling am Berliner Maxim Gorki Theater! Mit Rahel Jankowski, Suna Gürler, Nora Abdel-Maksoud und Cynthia Micas (v.l.n.r.). In der Kritikerumfrage von theater heute zum deutschsprachigen STÜCK DES JAHRES 2013/2014 gewählt.

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 Foto: (c) Thomas Aurin

Stimmen: 
Nachtkritik ("furiose Uraufführung")
Tagesspiegel ("Auf die neuen Gorki-Schauspieler/innen darf man sich sehr freuen!")
Berliner Zeitung ("ein reines Menschentheater")
Inforadio ("veritabler Hit")
stage&screen ("75 Minuten Theaterglück ... Kandidat fürs Theatertreffen!")
FAZ ("überbordende Girlpower")
Die Welt ("80 hinreissende Minuten")
Die Zeit ("Vier grandiose junge Darstellerinnen")
ZITTY ("Diese Frauenpowergang ist eine Wucht!")
siehe auch Cover & Titelstory von THEATER HEUTE (Dezemberausgabe 2013)

Die Badische Zeitung  über die Aufführungen beim Baseler Theaterfestival 2014: "So eine geballte Ladung Angry young women hat man im Theater (und anderswo) selten – oder überhaupt noch nicht – gesehen. ... (ein) fulminanter Sprachtanz der Darstellerinnen. Eine grandiose Leistung." 


 Prädikat: Nicht verpassen!