Mittwoch, 9. Juli 2014

in der arena



in der arena


glänzende augen
knurren im hals
auf der jagd
nach fliehendem

olé das leben ist
rund im rudel die ziel
gruppe besser auszumachen
we are the verschmelzung bei tag
und in der nacht my friend

schrei der verlierer
tränen und schlieren
punktueller enttäuschung über den
unendlichen steppengräsern
der gleichheit



(aus: sekundenbuch, 2012)


Montag, 30. Juni 2014

Kleine Erinnerung an Christian Führer (Leipzig, Nikolaikirche)

>> ...

Christoph Freier fragte nicht, (...) was wir wollten. Hörte zu, mit unbewegtem Gesicht. Lächelte, nur mit den Augen. Er erklärte uns, was ein freies Gebet war. Jeder der Anwesenden konnte ans Mikrophon treten und eine Bitte äußern, einen Gedanken. Und dann sangen alle eine Antwort, einen Refrain. Eine gesegnete Form der Nachrichtenübertragung. In wenigen Minuten erfuhr man mehr Neues, als in jahrelangem Studium an der Arbeiter-und-Bauernfakultät, als in der umfassend informierenden Volkszeitung, im volksnahen Republiksfernsehen, im objektiv berichterstattenden Wahrheitsradio. Unerhörte Nachrichten aus der Welt jenseits des Heftchenrandes.
  Montag für Montag füllte sich das Kirchenschiff.
  Dreihundert Leute, schätzte Freier. Fünfhundert. Achthundert.
... << 
(aus: "Rabet oder Das Verschwinden einer Himmelsrichtung", Roman, M.J. 1999) 

                                 In memoriam Christian Führer, geboren 5. März 1943 in Leipzig, gestorben 30. Juni 2014 ebenda.

http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Führer

Donnerstag, 3. April 2014

(du solltest nicht / nach valparaíso fahren)




            trockenes bergland
            farben im staubbraun
            blütenschrei nach liebe

            vielleicht liegt es am wind
            der so unentwegt weht
            geh nicht nach valparíso

            doch die hügel mit den häusern
            deren schatten von den träumern
            stündlich neu bezahlt

            sagen hier ist das ende
            ein winkliges schiff
            blickt aufs meer

            gesehen habe ich diese vögel niemals
            aber ob man sich hier glücklicher fühlt
            esse licht (und denke: ja).  





 



 

Montag, 3. März 2014

vorfrühling

Vorfrühling


 
                Noch sind die Bäume kahl.
                Noch weht es kalt manchmal.
                Der Himmel strahlt in Sommerbläue,
                auf dass die Sonne sich nicht scheue
                zu baden in dem Himmelsmeer.

                An Winter aber
                denkt keiner mehr.



(1977)